
das ist eine vorstellung für leute, die nicht genug kriegen. "ich habe hunger und ich habe durst und wenn du mir was zu fressen und zu saufen besorgst, sage ich auch brav danke."
der vorhang geht diesmal auf für eine überaus neue band. ich fühle mich geschmeichelt, dass ich eine der ersten bin, die sie noch vor dieser
medien-scheisse hypen darf.
all about ruphus sind eine dreiköpfige, kurz-über-zwanzig-junge band aus münchner umgebung. nur für münchner sind die jungs münchner. für normalsterbliche und für leute, die nicht so normalsterblich sein wollen, sind es johannes klein (drums), jakob klein (bass) und andi langhammer (gesang, gitarre).
was so ruhig beginnt, verspricht eines: stille wasser sind tief, sie können zu sümpfen werden, aber auch hohe wellen schlagen. schütze dein gesicht. oder versuche zumindest es nicht zu verlieren.
das intro "approaching..." beginnt mit einem stöhnenden, sich sehnenden cello, bricht abrupt ab und wird abgelöst von einem rockigen "cancer account". dieser song hat ohrwurmqualitäten und seine tanzbarkeit ist doch damit erwiesen, wenn der fuss anfängt zu wippen. sicherlich ist die nummer ein kracher, wenn sie live gespielt wird. ich hätte dieses lied auch ganz gerne ins netz gestellt, nur die riesige mb-zahl, die durch die dauer des songs bedingt ist - etwas sehr typisches für diese band - , erlaubt es mir einfach nicht.
"helicopter sunset" ist da schon ein anderes ding. das zeug ist viel härter als sein vorgänger. verwandelt die poppige stimmung in harte metal-gitarren, spannungsbögen, tempowechsel. die spannung wird an einer stelle durch eine mandoline erzeugt. und später finde ich etwas, was mir zu beginn der platte aus den händen gerissen wurde: das weinen des cello wird fortgesetzt. die band zerfließt in einem pathetischen moment, der später durch einen connor-oberst-schen gesang, so voller unsicherheit und verletztbarkeit in das nächste kapitel des songs eingetauscht wird.
"and i watch the beauty and it's just a wilting..." hat einen ruhigen ansatz. instrumentenvielfältigkeit? bitte schön. die bezaubernde mandoline und die akustikgitarre bekommen unterstützung von einem klavier. und das besondere an dem lied ist, dass es eine normallänge hat. der song wirkt wie ein einschub, ein kurzes flüstern, dabei hat er textlich gesehen einen größeren sinn als mancher andere.

"peter" ist mein favorit.
das ist pop. sehr, sehr hübsch arrangiert. von latinomusik angehaucht. sehr tanzbar und vor allem eingängig. teilweise erinnert es mich an die
chili peppers. wer andere assoziationen hat ist hiermit freundlichst aufgefordert vergleiche abzugeben. aber das anhören lohnt sich definitiv.
das nächste lied "inadequacy" ist eine reine metalnummer. die schwere dieser musikrichtung ist der sumpf, den ich zu beginn versprochen habe. bitte sehr.
"let's go get" ist ein wunder-wunderschönes intro. ich persönlich fand es so eindringend, dass ich es während einer busfahrt mehrmals auf repeat gehört habe. es ist eine ode an die stille. an die zerbrechlichkeit. an ecken und kanten. vielleicht an das alleinsein. es ist etwas kaltes, glitschiges, das aus meinen händen leider viel zu schnell entwischt. dieser part ist so vergänglich! ich hätte mir allzu sehr gewünscht, dass das zu einem großen instrumental ausgeführt werden würde. meine hoffnungen wurden kaputtgeschlagen. meine überzeugungskraft sind diese worte [smiley]. aber vielleicht ist es auch der sinn...
"scars" ist hundertprozentig ein knaller auf konzerten. ist für mich aber zu "amerikanisch". erinnert an
jimmy eat world, die abgehen wie sau und dann in einem meer aus noise enden, das in ein ozean von pathos mündet.
in "harmony of death" befindet sich mein lieblingsgesangspart. connor oberst, der zu metalesquem zeug singt. wer es sich nicht vorstellen kann, muss entweder mir glauben schenken oder sich selber vergewissern. ansonsten ist die nummer ein ständiger tempowechsel. ich könnte wieder jimmy eat world hinzuziehen. ich glaube, das ist emo?
geeignet ist die platte super für eine lange autofahrt. nur meiden sie bitte staus, wenn ihnen das leben ihrer mitmenschen nicht am arsch vorbeigeht. aggression, verzweiflung, leere und ein haruki-murakami-dance-dance-dance-element vermischen sich zusammen. an einer stelle verspricht andi "and i could be better, much better". an einer anderen sucht er verzweifelt nach seiner identität. man hofft nur das beste. dass er und die band sich endlich definieren und mit sicheren schritten die für sie richtige richtung einschlagen. eine steigerung ist erwünscht. und das tollste ist, sie ist klopft schon an die tür.
website:
www.allaboutruphus.de (seite in bearbeitung)
download:
all_about_ruphus_-_peter (mp3, 7.588 KB) (download bitte per email anfordern!)
kommentare zum song wären erwünscht. der mp3-download wurde mit einer freundlichen erlaubnis der band bereitgestellt.
