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für c.
ist., 8. nov. 2007

and lover, sweet lover,
please don't discipline your hands
just kiss me in the morning
in your dirtiest pants



--- a silver mt. zion "the triumph of our tired eyes"




"mein gott, gäbe es doch einen ort auf dieser welt, an dem es keine zeit gäbe und wir zusammen sein könnten. in der unendlichkeit."

flüstersprache. seine haut zerfließt wie milch auf meiner.

kohlenmonoxidküsse bevor wir ausbrennen.

er sitzt mir gegenüber und zieht an einer zigarette. wir spielen strategien zur deckung. worte, die den kehlkopf maskieren. betrinken uns gegenseitig mit giften eigener endorphine.

istanbuls wind weht ihm die goldenen locken aus dem gesicht. sein zeigefinger deutet von der ferne auf mich und zeichnet eine umgedrehte acht in die luft. immer und immer wieder. dann lächelt er traurig und steckt die kalten finger in die seitentasche.

atemsperre unter dem mondlicht. tauchküsse. tiefe gewässer. tot für sekunden. und wiedergeboren unter seinem gesicht. seine wimpern eingebettet in meinen mund. wie flüchtende, aus dem paradies verstoßene bedecken wir den scham mit speichelfäden. ritzen richtungsweisende pfeile in die füße des anderen.

"finde mich."

essen unter dem mondlicht unsere gesichter auf, kleckern daneben. übersät mit flecken der sehnsucht, mit sternen aus fremden galaxien.

ich küsse sein gesicht. er trägt mich davon. unbekannte länder, ungesehene städte. hände ertappen gänsehaut unter seinen flügeln. ich habe dreck unter den fingernägeln. haut und liebe.

meine worte verstaucht und zertrümmert auf seiner zunge, zwischen den zähnen, platzen in schweigenden sprechblasen. in meiner seitentasche schlummert seine kindliche, gutmütige schwäche. zittert und bettelt um zuflucht.

warme fingerkuppen verformen skelette verdorbener seelenruhe. ungeduld und geruch warmer sanftmut auf seinen handgelenken. frage. bei einer antwort höre ich auf zu zerpflücken.

"es war geschrieben."

sehnsucht zwingt mich in die knie. wir stehen außerhalb der zeit. mit einem atemzug pustet er mir die materie vom müden leib.

radiert meine zukunft und verfehlt meine mitte. und küsst... als wären wir von nachgeborenen bereits vergessen.

weil wir unendlich sind. weil wir unendlich sind

copyright2
Au-lait - 19. Nov, 14:32

Es geht absolut nichts über würzig-aromatische Kohlenmonoxidküsse!

allyklein - 21. Nov, 13:28

du sagst es, mein freund!
kid37 - 19. Nov, 17:49

Ganz groß mal wieder. Vielen Dank.

allyklein - 21. Nov, 13:28

ich danke ihnen, lieber herr kid.
licht - 19. Nov, 18:35

Oh nein, keine Unendlichkeit und schon gar kein unendliches Beisammensein. Alles ist vergänglich und hinter der dünnen Hülle der "Realität" lauern jederzeit Wahnsinn und Verzweiflung - für all die, die ersteres nicht akzeptieren. Aber vermutlich habe ich mal wieder alles total falsch interpretiert, na ja, egal... ;-)

Liebe Grüße

allyklein - 21. Nov, 13:27

haha, es geht auch nicht um ein unendliches beisammensein, was physische voraussetzungen mit sich bringt! es geht doch um liebe. es geht eher darum, dass zwei menschen von grund aus zusammen die unendlichkeit ergeben und nur körperlich auf zeit, in der realität, in unserer welt zusammengeworfen werden. ich gebe zu, es ist ein sehr abstrakter und ein sehr romantischer gedanke. aber man kann ihn meiner meinung nach nur emotionell begreifen (nein, das ist kein widerspruch). er lässt sich nicht erklären. man kann soetwas wie liebe nicht anfangen und auch nicht aufhören (wie eine gewohnheit), man kann nur an ihr teilhaben, wie ich finde. in jeder zwischenmenschlichen hinsicht. aber das ist nur meine meinung.
licht - 21. Nov, 16:57

Hehe, auch wenn ich mich ganz sicher nicht als Romantiker bezeichnen würde, so ist mir diese Periode doch sympathisch, weshalb ich auch seit einigen Tagen in Bus und Bahn (schön kontrastreich *g*) den Heinrich von Ofterdingen lese. Daß etwas nur emotional begreifbar sein soll, ist mir dennoch zu romantisch, auch wenn der von mir hochverehrte Edgar Allan Poe in seinem wunderbaren Essay "Eureka" eine ähnliche Ansicht vertrat. Nun ja, egal, wir Menschen können natürlich sowieso nicht ohne Emotionen denken, oder zumindest ich nicht. Du schreibst, daß zwei Menschen "von Grund aus" zusammen die Unendlichkeit ergeben und ich nehme mal stark an, daß Du damit nicht die "just you and me"-Einstellung im ersten Liebestaumel befindlicher, pubertierender Jugendlicher meinst, sondern sagen willst, daß zwei beliebig ausgewählte Menschen (uabhängig vom Geschlecht?!) die Unendlichkeit ergäben? Aber... egal wie man es dreht und deutet, irgendwie stört mich das binäre Element dieses Gedankens trotzdem. Ist der Mensch für sich allein genommen nicht vollständig, fehlt ihm etwas (zur Unendlichkeit)? Warum sollte dies so sein? Für mich ist Liebe etwas Universelles das niemals auf eine bestimmte Person oder Lebensform fixiert sein kann...

Liebe Grüße!
allyklein - 1. Dec, 15:27

poe ist großartig, besonders im original. unmöglich diese sprachschönheit in eine andere sprache zu übertragen, wie ich finde!

nein, ich meine natürlich nicht die "just you and me"-einstellung, nach unserem gespräch im park müsstest du dich noch daran erinnern können. ich glaube nicht daran, dass ein mensch einen anderen vervollständigen kann, das weisst du ja auch. das ist ein sehr trauriger gedanke. aber das habe ich dir bereits erklärt.

du schreibst "fehlt ihm etwas (zur unendlichkeit)" - ich finde, es ist ein widerspruch an sich. wie kann dir denn etwas fehlen, wenn du bereits anteil an etwas hast? du nimmst teil an unendlichkeit, wenn du vom gefühl der erhabenheit oder schönheit überwältigt bist, ich meine doch, dass das gefühl der liebe nicht "nur" auf ein denkendes wesen zu beziehen ist. man nimmt permanent anteil an der unendlichkeit. wenn man halt loslässt. es zulässt. oder wieauchimmer.


---


ein kleiner edit:
vergleichbar ist das in etwa damit:

doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein bogenstrich,
der aus zwei saiten eine stimme zieht.
yvonne erber - 22. Nov, 16:32

1.weil wir unendlich sind

wer ist wir, wer ist unendlich?
ich muss sie enttäuschen – wir, das sind einfach: wir bloggerinnen, wir leserinnen, wir gefühlsüberschwänglichen gedankenhabenden weibswesen usw.

2.mein gott, gäbe es doch einen ort auf dieser welt...
drei grundfragen: mein, gott, ort auf dieser welt.
gott – darüber gibt’s nichts zu berichten.
mein – ja, und den, über dens nichts zu berichten gibt, auch noch besitzen, be-sitzen, wie einen stein, ein stück holz, eine brille, männerschenkel, einen ganzen mann?
auf dieser welt - wo sonst?

3.keine zeit.
welche: die subjektive, ihre ureigene, oder die objektive, die gar keine zeit ist?
wir leben jetzt, also in der momentanen gegenwart.
wenn sie das lesen, ist das nicht mehr meine momentane zeit.
ich kann jetzt ihre künftige lesezeit nur bedingt voraussehen.
gleichzeitigkeit – indem sie jetzt mitlesen würden – entsteht so nicht.
gestern gehört bereits ins reich der fakten, die sich nicht mehr ändern lassen, für sie und für mich.
morgen ist für uns beide das reich der möglichkeiten.
jetzt können wir nicht stoppen, ausser wir bringen uns in diesem moment um.
so bewegen wir uns entlang der zeitachse fort, sie und ich an verschiedenen orten.

4. flüstersprache.
ich höre nichts, niemand flüstert hier.
der lüfter wird automatisch ausgeblendet.
wenn ich hinhöre, stört mich das geräusch.
ihr flüstern wäre auch ein geräusch, kein ton.
es kommt von der luft, die sich an ihren stimmlippen reibt.
ich hab das jetzt ihnen zuliebe selbst ausprobiert.
mein geflüsterter satz war übrigens: kohlenmonoxidküsse bevor wir ausbrennen.
das lässt gut wiederholen, das prägt sich ein.
hat sich der sinn dadurch geändert, dass ich geflüstert habe?

5.endorphine.
wie sie ja wissen, wird das endomorphinesystem nicht nur in notfallsituationen aktiviert, sondern auch in schönen.
solche scheinen ihnen in istanbul passiert zu sein.
warum sind es dann gifte, warum betrinken sie sich mit diesen vermeintlichen giften in einer glücklichen stunde?
realistisch gesehen, können sie deren ausschüttung nicht verhindern.
somit lässt sich ihr glück glücklicherweise nicht vergiften!

6. umgedrehte acht.
das unendlichkeitszeichen aus der hand des lovers!
aber vielleicht meinte er nur: 8 tage, 88 stunden, 888 sekunden usw.
also die beschränktheit der zeit, die der liebe gegönnt ist.
im ernst – die liegende acht ist nicht nur das symbol für unendlichkeit, sondern auch eine geometrisch definierte lemniskatenkurve.
sollte er – als mathematikstudent – ihnen dazu genaueres erklärt haben?

7.istanbul.
vor mir taucht folgendes bild auf: ich stehe oben auf dem galata kulesi in beyoğlu.
er ist sicher höher als 50 meter hoch und dominiert so das nördliche ufer des goldenen horns.
vielleicht sind sie auch da oben gestanden, um einen guten ausblick auf das zentrum zu haben.
so haben sie auch die vielen autos gesehen, die sich durch die engen strassen quälen.
die vielen zerfallenen dächer, die vielen nie fertig gebauten häuser.
moscheen, kirchen, bürohäuser und hotels, alle auf engstem raum zusammengedrängt.
oder sie waren, wie ich, in einer schön eingerichteten dachwohnung mit blumenbalkon.
und auf dem flachdach ältere frauen, die schmutzige teppiche schrubbten, während drinnen jugendliche zigaretten rauchten.
dann sind sie sicher auch über die galata köprüsü gegangen, die beyoğlu mit fatih verbindet.
und sie blieben auch am blaulackierten brückengeländer bei den anglern stehen, die von dort aus versuchten, fische zu fangen, während sich hinter ihnen autos, busse und taxis durch dieses achtspurige nadelöhr zwängten.
es bedurfte nur weniger schritte, und sie waren im untergeschoss der brücke.
haben sie sich in einem der cafés platz genommen?
haben sie zum leanderturm und bosporus geschaut oder zur atatürkbrücke?

8.porträt.
er hat goldene locken.
er lächelt traurig.
er hat kalte finger.
er bewirkt mit seinen küssen einen totenähnlichen zustand.
er hinterlässt dabei speichelfäden.
er will gefunden werden.
er kleckert beim essen im mondlicht.
er erzeugt gänsehaut und flecken der sehnsucht.

9.wir stehen ausserhalb der zeit.
erscheint es ihnen nicht auch so, als würde die zeit von der zukunft in die vergangenheit fliessen?
wir sind ja fest verklammert auf der gegenwartsebene, die sich auf der zeitachse unabänderlich in richtung zukunft bewegt.
der wind der veränderung bläst also nicht ins gesicht der zeit.
der wind der zeit bläst ins gesicht der gegenwart.
schauen wir zurück in die vergangenheit, erscheint uns das so, als würden von hinten dorthin getrieben.
sie stellen sich selbst vielleicht als ein lebenwesen vor, das völlig mit der gegenwart verkoppelt ist.
so könnten sie alle veränderungen gleichzeitig wahrnehmen, alle objekte in allen ihren zuständen, also zeitlos.

liebe grüsse

MARIA SPILUTTINI

allyklein - 1. Dec, 14:33

1. ich für meinen teil schätze, dass mit "wir" die beiden protagonisten - "ich" und "er" - gemeint sind, aber sie können es auch natürlich auf sich beziehen.

2. meiner meinung nach, unabhängig von dem text, ist "mein gott" einfach eine floskel (wie "halt" etc.), die als satzfüller und/oder emotionsverstärker dienen kann. und sie kann auch den satzrhythmus dadurch bestimmen.

4. ich finde, flüstern macht eine situation manchmal sehr intim. keine ahnung. hier geht es ja um flüstersprache zwischen zwei menschen, schätze ich. könnte also eventuell als verstärkung/betonung benutzt worden sein.

5. "solche scheinen ihnen in istanbul passiert zu sein."
das habe ich nie behauptet. sehen sie den text doch als aus der sicht eines artikulierten ichs. unabhängig von mir als person. ich beurteile ihn auch nur als leser und alles, was ich ihnen bis jetzt geschrieben habe, drückt meine leserhaltung aus. so wie ich den text ungefähr sehe. ihre "interpretation" oder sichtweise kann vollkommen von meiner abdriften, was absolut okay ist, finde ich. oder?

6. ich finde es sehr witzig, dass sie herausgelesen haben, dass der beschriebene mann erstens, ein student ist und zweitens, mathematik sein gebiet ist. sehen sie, das ist das, was ich im punkt 5 gemeint habe. die sache der fantasie, die sache der eigeninterpretation.

ich finde es sehr beeindruckend, dass sie sich zeit nehmen, sich mit fremden texten so konkret auseinanderzusetzen. sehr interessante sichtweisen vertreten sie auch, auch wenn sie von meinen persönlichen (wie gesagt als leser) teilweise sehr abweichen. ich danke ihnen für die vielen anregungen.
nora spi (guest) - 18. Feb, 02:13

spilu oder erber

ich bitte um aufklärung, bist du familien-mitglied oder -bewunderer?
liebe grüße
*durchgestrichen* nora spiluttini



Nora at siehe U-R-L
yvonne erber - 30. Dec, 11:30

liebe ally!

ich habe ihre antwort auf meinen „kommentar“ erst heute entdeckt.
verzeihen, dass es so lang gedauert hat!
auch deshalb, weil sie meine „methode“ ernst nehmen, die eben darin besteht, einen text aus einem weblog, der mich sozusagen anspringt, ernst zu nehmen.
und das ergebnis, wenn es mich weiter reizt, zu notieren.

-klar, meingott ist eine floskel; ich hab sie mir abgewöhnt.
ich sag auch nicht: mein gott!
oder: mein gott!
(manche mir bekannte männer sagen gern: meine göttin! ;-))

-ja, natürlich ist alles erlaubt, was dem rhythmus dient! ;-)
(wenn es den sinn nicht verdreht.)

-flüstern ist ein geräusch; das wollte ich sagen.
ich wusste ja selbst nicht so genau, wie es entsteht.

-was istanbul betrifft: ich schrieb ja scheinen!
gestern war ich übrigens wieder in istanbul – ich hab Auf der anderen Seite von fatih akin gesehen.

-mir ist klar, dass das ich in einem text nicht das ich der person ist, die schreibt.
während ich den text zu dem ihrem schrieb, hatte ich das bedürfnis, mehr über istanbul zu schreiben.
also hatte ich diese szene auf dem galata kulesi imaginiert.

-richtig, die leserin bzw. der leser macht den text.
abdriften würde ich das nicht gleich nennen; es ist ja eher zuerst ein einnisten; von diesem nistplatz aus kann man sich leicht bewegungen hinaus – und zu sich selbst zurück – gestatten.

-kein wort, das ich schreibe, stimmt mit einem, das sie schreiben, 100%ig überein.
schön ist aber, dass sich die erfahrungshintergründe so überschneiden, damit wir überhaupt etwas von einander verstehen.

-herausgelesen, im wörtlichen sinn; denken sie dazu lesen im wort weinlese.

übrigens: schreiben sie nur für ihr blog?
oder haben sie einiges in ihrer, na, sagen wir: schublade??

liebe grüsse

MARIA SPILUTTINI

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tour dates '09


10.01: eno / gregor samsa (wü)

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25.02: mmmhmmmh / spaceman spiff (wü)

21.03: spaceman spiff / emmy moll (wü)

28.03: amrand / the great bertholinis (wü)

29.03: johannes-passion (wü)

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07.12: lost name / spaceman spiff (wü)

16.12: liger / happiness (wü)

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peter broderick
4 track songs


was ich alles für...
was ich alles für dich mache, mein freund. als...
allyklein - 17. Nov, 15:16
..
oh gott, danke. ich hab das schon gesucht. und auch...
bene (guest) - 17. Nov, 01:19


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Zuletzt aktualisiert: 18. Nov, 13:21


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